Austausch-Wochenende Hospicing Modernity

Einladung zum gemeinsamen Austauschwochenende zu “Hospicing Modernity” und weiteren dekolonialen Ansätzen. Vom 27.-29.9.2024 im Funkenhaus bei Hannover

Das vergangene Jahr hat uns zu Zeug*innen von unvorstellbaren Szenarien gemacht: Genozide, der Ausbau autoritärer Macht und zunehmender Faschismus. Gleichzeitig wurde das Wetter wärmer und unberechenbarer, und das 1,5-Grad-Ziel wurde deutlich verfehlt. Die spätkapitalistische Moderne und das Konstrukt der weißen Vorherrschaft können die tiefen, systemischen Risse nicht verbergen und offenbaren in ihrem langsamen Niedergang ihr inhärentes und grenzenloses Gewaltpotenzial.

Während wir  versuchen, durch Kampagnen gegen Rechts Feuerwehrarbeit zu leisten und im kapitalistischen System zu funktionieren, bemühen wir uns darum, den kollektiven Schmerz zu halten. Doch davon gibt es eine ganze Menge und uns fehlen scheinbar die nötigen Skills. 

Dekoloniale Ansätze des GTDF-Kollektivs (gesturing towards decolonial futures) und das Buch “Hospicing Modernity” bieten Ansätze und praktische Übungen, um Muster aufzuspüren, die uns selbst auf kognitiver, affektiver und relationaler Ebene im “Haus der Moderne” verankern. Unsere Kompliz*innenschaft/Mittäter*innenschaft und Co-Abhängigkeit zu und mit dem derzeitigen System können so der bewussten Untersuchung zugänglich gemacht werden. 

Wir glauben, dass diese Arbeit derzeit eine wichtige Ergänzung zu politischer Kampagnenarbeit ist, für die wir uns Zeit nehmen wollen, trotz oder genau wegen der Polykrise. Wir fragen uns, wie wir die tiefe, innere, teils sehr langsame  Arbeit integrieren können und wie wir dadurch  nicht nur handlungsfähig bleiben, sondern auch  wehrhafter werden können. 

Wir wollen ein Wochenende lang zusammenkommen, um uns mit folgenden (und gerne weiteren) Fragen zu beschäftigen:

  • Welche Rolle können dekoloniale Ansätze in derzeitigen politischen Entwicklungen /Kämpfen einnehmen?
  • Wie können wir Raum schaffen für diese innere Arbeit und sie mit auf die Straße und in unsere Kämpfe tragen?
  • Wie materialisiert sich eigentlich “dekoloniales Sein”?
  • Wie können mehr Meschen aus sog. “low-intensity struggles*” Zugang zu dieser Auseinandersetzung finden?
  • Wie “halten” wir die Tragik unserer Realität in all ihren Facetten? Wie könnten solche Praxen aussehen?
  • Wie können wir uns daran herantasten, von Indigenen Weltbildern zu lernen, ohne kulturelle Aneignung zu betreiben und ohne sie zu exotisieren und zu romantisieren? 
  • Was bedeuten Bezugnahmen auf “Indigenität” und “Verbindung mit dem Land“ im europäischen Kontext? Wie können wir, gerade in Deutschland, wachsam bleiben für Anschlussfähigkeiten an rechte Diskurse/ Blut- und Boden-Ideologien, und uns klar davon abgrenzen? 
  • Wie können Konzepte des GTDF und anderer dekolonialer Denker*innen in den europäischen Kontext „übersetzt“ werden?

Uns interessiert, wer, wie und wo bereits zu diesen und ähnlichen Themen gearbeitet wird. Wir wünschen uns eine gemeinsame Reflexion und einen fruchtbaren Austausch, um diese Auseinandersetzung zukünftig vermehrt im deutschsprachigen Raum zu integrieren. Wenn ihr bei der Planung und Konzeption des Wochenendes mitwirken wollt, meldet euch gerne bei uns. Schickt die Einladung auch gerne weiter an andere Interessierte oder Menschen, von denen ihr wisst, dass sie dazu arbeiten.

Fest steht, die Fähigkeiten, die wir brauchen, um solidarisch und gestärkt in den bevorstehenden Sturm zu gehen, konnten wir nicht lernen. Neue Seins- und Denkweisen entstehen nicht über Nacht, aber sie können geübt und genährt, gestärkt und gedüngt werden. Wir freuen uns darauf, ein gemeinsames Wochenende zu gestalten, an dem wir voneinander lernen und gemeinsam “fragend voranschreiten”.

Hard Facts

Wann: Freitag, 27.9.2024 ca. 17:00 Uhr bis Sonntag, 29.9.2024 bis ca. 13:00 Uhr.

Unterkunft: Funkenhaus, Leinestr. 8, 37574 Einbeck.

Das  Funkenhaus ist ein selbstorganisiertes Seminarhaus, 30 Minuten von Göttingen und 45 Minuten von Hannover entfernt.

Barrieren: Das Funkenhaus ist leider nicht barrierefrei. Küche, ein Bad, Gemeinschaftsraum und zwei Schlafzimmer sind zwar fast ebenerdig. Allerdings ist die Türbreite in den meisten Fällen nicht rollstuhlgerecht. Außerdem haben wir keine rollstuhlgerechte Toilette. 

Beitrag/Spende: Wir werden uns im Seminarhaus selbst versorgen und gemeinsam kochen. Für das Wochenende werden Verpflegungskosten und eine Spende an das Seminarhaus anfallen. Außerdem ist es uns wichtig, mit dem  GTDF-Kollektiv, welches Urheber der Methoden und Übungen ist, in reziprokem Austausch zu treten.  Wir möchten deshalb, wie vom GDTF gewünscht, auch an den South American Indigenous Network Emergency Fund spenden . Insgesamt gehen wir daher von einem Beitrag zwischen 40-100 Euro pro Person für das Wochenende aus.u, je nach Selbsteinschätzung. Wenn ihr wenig Geld habt, schreibt uns eine E-Mail unter kontakt[at]tieftauchen-hochfliegen.org und wir können individuelle Lösungen finden. 

Programm: Ein genaueres Programm verschicken wir im August und laden darüber hinaus dazu ein, dieses mitzugestalten. Bringt Fragen, Erfahrungen (somatische) Übungen mit! Wir werden auch rausgehen, also bitte Schuhe und Klamotten mitbringen, mit denen ihr auch in den Wald gehen könnt.

Sprache: Das Programm wird in deutscher Lautsprache stattfinden, Flüsterübersetzung ins Englische können wir bei Bedarf untereinander organisieren.

Anmeldung

Möchtest du beim Austauschwochenende dabei sein? Dann schreib uns bis zum 6. September eine kurze Mail an kontakt[at]tieftauchen-hochfliegen.org oder hier zu folgenden Fragen: Wie bist du auf das Austauschwochenende aufmerksam geworden? Wer bist du? Was wünschst du dir vom Austauschwochenende? Hast du besondere Bedürfnisse? Was kannst du einbringen?


*Info: Das GTDF Kollektiv definiert Kämpfe hoher Intensität“ als Kämpfe, die um die Notwendigkeit organisiert sind, das eigene Land, das eigene Leben und den eigenen Lebensunterhalt vor der aktiven Bedrohung durch das moderne/koloniale System zu verteidigen, während ‚Kämpfe niedriger Intensität‘ (“low intensity struggles”) im Allgemeinen Bemühungen sind, den Zugang zu mehr Ressourcen und Sicherheit innerhalb des modernen/kolonialen Systems zu gewährleisten. Wir sind eine FLINTA Gruppe aus Kämpfen niedriger Intensität und wiir erkennen an, dass wir genau aus dieser Positioniertheit heraus ein hohes Maß an Verantwortung haben. Wir laden deshalb andere Menschen aus “low intensity struggles“ ein, an diesem Wochenende teilzunehmen.