“all organizing is science fiction. We are bending the future, together, into something we have never experienced. a world where everyone experiences abundance, access, pleasure, human rights, dignity, freedom, transformative justice, peace. we long for this, we believe it is possible.”
Wie alles begann
Alles fing mit einem Buch an. Als wir das erste Mal “Emergent Strategy” von adrienne maree brown in die Finger bekamen, konnten wir nicht mehr aufhören, über diesen für uns neuen Zugang zu Aktivismus und gesellschaftlichem Wandel nachzudenken.
Das Gefühl, ich bin voll und ganz da, verbunden mit “humans and more-than-humans”; nicht um lediglich zu kämpfen und die Apokalypse mit der Reproduktion von Produktivität aufzuhalten; sondern um zu erkunden, was es wirklich bedeutet Teil des Lebens in all seiner Widersprüchlichkeit zu sein.
Über das letzte Jahr hinweg, in dem eine von uns eine berufliche Auszeit genommen hat und auf Reisen war und die andere ein Stadt-Landwirtschafts-Projekt gestartet hat, haben wir uns noch intensiver mit vielfältigen Autor*innen auseinandergesetzt, auf die wir bei unserer Recherche gestoßen sind. Den Büchern der US-Autorin Octavia Butler, die in den 1980ern und 1990ern visionäre, spekulative Literatur geschrieben hat und dem Roman “Octavias Brood”, der daraus von Walidah Imarisha zusammen mit adrienne entstanden ist. Diesen Texten wohnt eine tiefe Radikalität inne, sie laden uns ein, die Welt, wie sie ist, neu zu verkabeln. Die Idee, dass alle Organisierung Science Fiction ist, weil wir uns zusammentun, um gemeinsam eine Welt zu schaffen, in der alle Menschen Fülle, Zugang, Freude, Menschenrechte, Würde, Freiheit, transformative Gerechtigkeit und Frieden erfahren, hat uns tief begeistert und zur Entstehung dieser Website geführt.
Neue Horizonte: Denken, fühlen, in Beziehung gehen
Podcasts von adrienne maree brown und ihren Freund*innen und Kolleg*innen , Autumn Brown, Prentis Hemphill, Sonya Renee Taylor, Ayana Young und dem “Gesturing Towards Decolonial Futures Kollektiv” eröffneten Perspektiven, welche unseren Sehnsüchten Sprache und Gestalt verliehen.
Diese Ansätze, die als Antidot zu weißer (linker) Lebens-und Arbeitskultur erscheinen, wurden und werden in den den USA von FLINTA* People of Color, die vor allem in der Bewegung Black Lives Matter und anderen Bewegungen organisiert sind, entwickelt. Sie verstehen Transformation und Befreiung als ganzheitlichen Prozess, der immer in “Community*” eingebettet ist. Sie möchten Verwandtschaft, “kinship” schaffen. Das sich vertraut machen, verbinden, in Beziehung treten mit dem Leben in all seinen Facetten. Die Autorinnen erforschen, wie Veränderung in Beziehungen entsteht und sich dann in der Gesellschaft weiterverbreitet. Und wie unsere Körper integraler Bestandteil von all unserer politischen Arbeit, Aktionen, Theorien und Kämpfen sind.
Die darin transportierten Anekdoten, Erzählungen, Plädoyers und Fragestellungen haben uns dazu eingeladen, über die kognitive Ebene hinaus unsere Emotionen & Beziehungen in unsere politische Arbeit einzubeziehen und in die eigene Biographie und Positioniertheit einzusteigen. Grundprämisse ist, die Befreiung für uns alle als einen lebenslangen Weg zu sehen, auf dem Befreiung schon unterwegs verkörpert wird.
So konnten wir eintauchen in einen persönlichen Prozess, der gleichzeitig zutiefst politisch und kollektiv ist. Sich gemeinsam voranzutasten und sich immer wieder als Anfänger*innen zu verstehen, die versuchen eine neue Sprache nicht nur zu sprechen, sondern auch in ihr zu denken und zu träumen. Das ist ein Prozess, der uns in kontinuierlichen Austausch mit- und in tiefere Beziehung zu-einander bringt.
Wir sehen darin eine wichtige Ergänzung zu anderen linken Analysen, die vorrangig auf einer rationalen Ebene operieren. Es geht um unsere Verflechtung im Hier und Jetzt und von hier aus Vorwärts. Damit bewegen wir uns auf einer körperlich-affektiven, kognitiven und Beziehungsebene zugleich.
Aufbruch in dekoloniale Zukünfte
Auch das Kollektiv “Gesturing Towards Decolonial Futures” prägt und inspiriert unsere Arbeit fundamental. Dieses Kunst- und Bildungskollektiv versteht sich als Ressource für transformative Bildungsangebote, welche Fragestellungen generieren, die ein zaghaftes Aufbrechen Richtung dekolonialeren Zuständen ermöglichen soll. Auch hier ist der Ansatz ein Tanz aus individuellen “Sich-Stellen” und dem kollektiven Weg, um einen Blick über die isolierenden, individualistischen Zustände der kapitalistischen Moderne hinaus zu erhaschen. Ganz im Sinne der Methodologie versteht sich das Kollektiv nicht nur als Anbieter zu konsumierender Bildungssequenzen sondern als individuelle und kollektive Praxis in sich. Eine Art, in und mit der Welt zu sein und sich aus dieser Verbindung heraus in Richtung Befreiung zu bewegen.
Plattform für den deutschsprachigen Raum
Deswegen haben wir diese Website ins Leben gerufen. Wir möchten damit eine Plattform aufbauen, um diese für uns revolutionären Ansätze, Ideen und Vorschläge im deutschsprachigen Raum weiterzuentwickeln. Wir stellen dieses Angebot ins Netz, um mit euch die Unterhaltung darüber anzukurbeln. Gleichzeitig hilft uns das Schreiben dabei, eine Sprache zu finden für das, was wir spüren, was uns aber schwer fällt in Wörter zu fassen. Wir sind nicht die Urherberinnen dieser Ideen sondern Teil einer kollektiven Erzählung, die fortlaufend und prozessoffen ist. Kontaktiert uns gerne hier!
Wir sind tief erfüllt von Respekt und Dankbarkeit für die Weisheit und Erfahrungen aller women of color, die die Geduld hatten, sich mitzuteilen, trotz der Ignoranz und Taubheit in dieser weißen Mehrheitsgesellschaft. Und wir sind dankbar für all die Menschen, die uns auf diesem Weg begleitet haben und ihn weiterhin mit uns gehen.
Zum Begriff „community“: Dafür haben wir noch keine passende Übersetzung gefunden, da es sehr viele Übersetzungen umfasst, etwa Gemeinschaft, Gemeinde, Kommune u.v.m.
